Chaos im Bürgerbus

Chaos im Bürgerbus

by Stephan Rykena

Er schien es eilig zu haben, als er am Verbrauchermarkt, zusammen mit der netten alten Lady , die ihren Rollator vorschriftsmäßig an der Seite befestigte, einstieg.

Wahrscheinlich hatte er sich in irgendeiner Kneipe das eine oder andere Bier zuviel genehmigt und dabei die Zeit verdaddelt. Seine Alkoholfahne füllte den kleinen Bus im Nu.

Er war einer von denen, die immer viel redeten, obwohl sein operierter Kehlkopf schwer dabei litt.

„ Zur Reha“ hustete er mehr als dass er sprach und kaufte ein Ticket. 

An der Haltestelle Feuerteich sah es aus, wie auf einem Bahnhof-Fahrradständer. Gleich drei Damen mit Rollatoren drängten sich, fröhlich lachend, am Bordstein. 

Langsam wurden die Lagerplätze im Bus knapp. Fünf Leute vier Rollatoren und ein Lärm, wie beim Kindergeburtstag. Zwei der Damen bestanden darauf, ihre Rollatoren gebremst vor sich halten wollen.

„Das haben wir schon oft gemacht“, meinten sie. „Das geht schon.“

Der stimmlose Bierdunstverbreiter saß hinten und blickte skeptisch auf seine Uhr.
Er war wohl spät dran. Das Abendessen stand auf dem Tisch.

An der Robert Koch Straße stand ein älterer Mann mit Krücken, der zu seiner Schwester in der Weserklinik wollte.
Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch die Rollatorensammlung.

Ein Fahrer, sechs Fahrgäste, vier Rollatoren und ein paar Krücken erreichten schließlich heil die Ziegenbuche.

Die Damen waren immer noch gut drauf und die beiden auf den vorderen Sitzen hielten tapfer ihre Gefährte.
Das änderte sich erst, als wir uns der Rehaklinik bergab näherten.

Eine der Damen war nachlässig geworden und ihr Rollator machte sich selbstständig Richtung Tür, was eine Art Dominoeffekt zur Folge hatte. Alle vier Geräte verkeilten sich zu einem schier unüberwindbaren Wall.

Der arme Bierselige  sah sich verstört um. Die Tür stand offen und die Reha-Klinik lag, quasi unerreichbar, davor. Nicht mal fluchen konnte er ohne Stimme!

Die Frauen lachten sich halb schlapp und versuchten das Metall-Knäuel zu entwirren.
Es dauerte einige Minuten bis die Gerätschaften den Eingang wieder freigaben.

Grußlos stürmte der Zuspätkommer aus dem Bus.

An der Weserklinik herrschte zwar das gewohnte Verkehrs-Chaos, ein weiteres  Rollatorchaos blieb aber aus. Die Damen bedankten sich für die lustige Fahrt und stiegen gesittet aus.